StartLokallust HalternAusgabe MaiTitelgeschichte: Abenteuer Schatzsuche in Haltern

Titelgeschichte: Abenteuer Schatzsuche in Haltern

Peter Riddermann – Münzen, Mammuts und Kanonen. Eine Geschichte von Frank Schürmann.

Im wirklichen Leben arbeitet Peter Riddermann (40) aus Haltern als Schornsteinfeger, aber nach Feierabend widmet er sich einem ganz besonderen Abenteuer: der Schatzsuche. Nein, es sind nicht die großen Piratenschätze mit Gold und Silber, denen Peter auf den Grund geht, sondern die altertümlichen Spuren und Geschichten der eigenen Heimat.

Der erste Fund – ein explosiver Start

Ausgestattet mit einem Metalldetektor geht der Halterner Schatzsucher gerne historischen Hinweisen vor Ort nach. Vor fast 10 Jahren begann er mit der aktiven Schatzsuche, und dass dies nicht immer ganz ungefährlich ist, wurde ihm direkt bei seiner ersten Suche klar:

„Von einem Nachbarn habe ich mir einen einfachen Kinder-Metalldetektor geliehen. Ich wollte es einfach mal ausprobieren, wie das so funktioniert. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass es sofort ein explosiver Volltreffer wird. Ein Munitionsversteck der Amerikaner mit Unmengen an Munition, Granaten und Panzerfaustraketen lag ein paar Zentimeter unter dem weichen Erdboden.“, berichtet Peter. Viermal musste der Kampfmittelräumdienst anrücken, um Peters ersten Fund zu entsorgen.

Mit dem Metalldetektor auf Spurensuche Peter Riddermann bei einem seiner Streifzüge durch die Natur. Foto Frank Schürmann.

Vom Hobby zum zertifizierten Sondengänger

Ungefähr 7 Jahre war Peter illegal mit der Sonde unterwegs. „Die Suche im Wald und auf Wiesenflächen ist nicht erlaubt, da wichtige archäologische Bodenspuren durch Raubgrabungen für immer zerstört werden können. Nur Äcker, die eh umgepflügt werden, dürfen mit Detektoren abgesucht werden. Seit einigen Jahren bin ich zertifizierter Sondengänger und arbeite eng mit den Archäologen zusammen.“, so der Halterner Schatzsucher.

Eine Reise durch die Epochen

Als Schatzsucher hat Peter ein breites Beuteschema: „Mich interessiert die komplette Historie Halterns. Von der Steinzeit bis zur Neuzeit.“ Dieses Interesse spiegelt auch seine beeindruckende Sammlung wider, die u.a. Mammutknochen, ein bronzezeitliches Randleistenbeil, zahlreiche Münzen und Auszeichnungen aus mehreren Epochen sowie Kanonen- und Musketenkugeln beinhaltet.

Ein Blick in die Sammlung: Peter Riddermann präsentiert in Ausstellungen ausgewählte Funde aus verschiedenen Epochen – von Notgeld bis zu historischen Auszeichnungen. Foto: Frank Schürmann.
Ein Blick in die Sammlung: Peter Riddermann präsentiert in Ausstellungen ausgewählte Funde aus verschiedenen Epochen. Von Notgeld bis zu historischen Auszeichnungen. Foto: Frank Schürmann.

Recherche in Archiven und historische Funde

Gesucht wird nie ziellos. Wenn Peter nicht aktiv auf der Suche unterwegs ist, stöbert er in Archiven und alten Schriftstücken, um Hinweise für potenzielle Fundorte zu ergattern. Früher waren es vorrangig die Geschichten des 3. Reiches, die ihn interessierten:

„Die Erzählungen der Zeitzeugen haben mir verdeutlicht, was für eine schreckliche Zeit das war. Somit verlagerte ich meinen Fokus mehr in Halterns Geschichte vor den Weltkriegen.“, berichtet Peter.

Beispielsweise hat er am Napoleonsweg in Lavesum gesucht und Münzen der schwedischen Truppen gefunden. Diese sind dort während des 30-jährigen Krieges entlangmarschiert. Bei einer Suche auf einem Feld neben der Münsterstraße hat Peter einen bronzezeitlichen Henkelbeschlag eines Topfes ausgegraben. Datierung: ca. 2 – 1,5 Tausend Jahre vor Christi.

Technik und Geduld bei der Schatzsuche

Heutige Metalldetektoren lassen bereits vor dem Ausgraben viele Informationen zum gefundenen Objekt vermuten: u.a. die Tiefe und Metallart. Trotzdem ist die Schatzsuche eine Sisyphusarbeit:

„90% was man hier findet, ist Metallschrott. Zudem wurde Halterns Umgebung bereits in den 80er- und 90er-Jahren von Sondengängern abgegrast. Die meisten leicht aufzuspürenden Objekte wurden schon ausgegraben. Man braucht viel Geduld bei der Suche.“, erzählt Peter.

Gesetzliche Regeln und das Schatzregal

Auch waren die Gesetze damals noch anders. Das sogenannte Schatzregal wurde 2013 durch eine Änderung des Denkmalschutzgesetzes in NRW eingeführt. Funde werden demnach mit dem Auffinden zum Eigentum des Landes. Auch Peter muss seine Funde mindestens einmal jährlich den Archäologen vorlegen. Diese entscheiden dann, was der Sondengänger behalten darf und was beim Land verbleibt:

„Die meisten Funde darf ich behalten. Es werden nur die Fundstücke einbehalten, die historisch besonders wertvoll sind. Das Schöne ist, dass ich die vorgelegten Funde dann mit einem kleinen Gutachten – z.B. zur Herkunft, Alter oder Zweck des Fundstücks – zurückbekomme.“, berichtet der Schatzsucher.

Auf Spurensuche ohne Technik

Manchmal ist Peter auch ohne technische Hilfe auf der Jagd nach historischen Fundstücken:

„An den Abbruchstellen des Ufers des Hullerner Sees lassen sich noch Knochen von beispielsweise Mammuts, Wollhaarnashorn oder Urzeitpferde finden. Dort befand sich vor vielen tausend Jahren ein Moor, wo auch Tiere gezielt zum Sterben hingegangen sind. Beim Ausbaggern der Stauseen kamen immer wieder Knochen von Urzeittieren zutage. Ebenso am Annaberg lassen sich noch mit dem bloßen Auge tolle Fossilien finden.“, erzählt Peter.

Schornsteinfeger mit Spürsinn

Auch sein Beruf bringt Vorteile für das Hobby: Als Schornsteinfeger ist Peter oft auf alten Dachböden und in Kellern unterwegs und entdeckt auch auf diese Weise so manchen Schatz:

„Ein Kunde hatte zum Beispiel eine ganze Kiste mit alten Mammutknochen im Keller stehen. Diese habe ich ihm dann abkaufen können.“

Peter Riddermann

Hilfe bei verlorenen Schätzen

Peter wird immer wieder von Menschen angesprochen, die Hilfe beim Aufspüren verlorener Objekte benötigen. Einmal sollte Peter einen verlorenen Ehering suchen:

„Den vermissten Ehering habe ich nicht gefunden, aber zur Überraschung aller dafür den Verlobungsring der Oma.“

Ebenfalls hatte der Sondengänger schon einen Schatzsuch-Auftrag in Haltern und sollte eine Milchkanne, die im Zweiten Weltkrieg mitsamt wertvollem Schmuck vergraben wurde, auffinden. Diese Suche blieb jedoch ohne Erfolg.

Geschichte bewahren – nicht verstecken

Dem Halterner Heimatkundler ist es wichtig, dass seine Funde nicht in der eigenen Vitrine im heimischen Wohnzimmer ihr Dasein fristen. In Zusammenarbeit mit der Sparkasse hat Peter bereits eine Ausstellung realisiert. Hier ging es um das Thema der Geldgeschichte. Zudem hat er in Zusammenarbeit mit dem Halterner Altertumsverein eine Publikation herausgebracht:

„Ich arbeite bereits an der nächsten Publikation zu Halterner Funden. Wenn Haltern irgendwann einmal ein Heimatmuseum bekommen sollte, kann ich mir sehr gut vorstellen, meine Exponate dort auszustellen.“, so Peter.

Tipps & Hilfe

  • Sie haben ein schönes antikes / historisches Objekt?
  • Sie haben einen Tipp für eine spannende Schatzsuche?
  • Oder Sie haben selbst etwas verloren?

Sie können Peter Riddermann unter folgender Nummer erreichen: 0162 7650879

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