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Winterangeln am Halterner Staudamm: Innere Ruhe in der kühlen Natur

Wenn der Nebel über den Halterner Stausee zieht und das Wasser leise glitzert, beginnt eine Zeit, die die Herzen von Anglern höherschlagen lässt: die Wintersaison.

Während der Sommer den See mit Segelbooten, Ruderern und Badegästen belebt, gehört der Winter den Anglern und ihrer Leidenschaft. Mit einer Thermoskanne Tee, warmer Kleidung und einer großen Portion Geduld sitzen sie an den Stegen – bereit, die Ruhe der Natur zu genießen. Einer von ihnen ist Daniel Winkelkotte, 43 Jahre alt, Familienvater und seit 1999 Mitglied im Fischereiverein Haltern.

Von Tradition und Verantwortung

„Wir sind hier mehr als ein Angelverein“, erklären Daniel Winkelkotte und seine Mitstreiter stolz. „Seit 1930 kümmern wir uns um die Stadtmühlenbucht und die Gewässerpflege.“ Einst wurden die gefangenen Fische mit Kutschen in die Stadt gefahren, um die Bürger zu versorgen. Heute ist der Fokus ein anderer: „Unsere Hauptaufgabe ist die Hege und Pflege der Natur. Wir sorgen dafür, dass die Gewässer gesund bleiben.“

Idyllisches Winterpanorama am Halterner Stausee. Foto: Fischereiverein Haltern am See

Doch auch die Gemeinschaft kommt nicht zu kurz. „Unser Verein hatte lange eine Obergrenze von 100 Mitgliedern, und viele mussten Jahre auf der Warteliste stehen. Jetzt haben wir die Kapazität leicht erweitert, besonders, um die Jugend zu fördern.“

Der 2. Vorsitzende Stefan Schulte-Lünzum sieht hierin eine Herzensangelegenheit:

„Wir wollen die nächste Generation für den Angelsport begeistern. Es ist nicht nur ein Hobby – es lehrt Respekt vor der Natur und Geduld.“

2. Vorsitzende Stefan Schulte-Lünzum

Winterangeln: Ein magisches Erlebnis

Was macht das Winterangeln so besonders? „Die Ruhe“, sagt Daniel Winkelkotte. „Im Sommer ist hier Trubel, im Winter hingegen gehört der See uns.“ Die Fische ziehen sich in die Tiefe zurück, doch Barsche, Zander und gelegentlich kapitale Welse locken auch in der kalten Jahreszeit. „Manchmal hat man Tage, an denen nichts beißt – sogenannte Schneidertage. Aber das gehört dazu. Es ist die Kombination aus Natur, Entspannung und der Möglichkeit auf einen großen Fang, die den Reiz ausmacht.“

Im Winter kommt der Bootsbetrieb auf dem See zum Erliegen. Eine Auszeit für die Natur und die Angler. Foto: privat

Die Angler lassen sich von den Herausforderungen des Winters nicht abschrecken. Mit mehreren Schichten Kleidung, Handwärmern und oft auch einem kleinen Ofen an den Angelplätzen trotzen sie der Kälte. „Man kommt hierher und drückt den Reset-Knopf“, sagt Daniel Winkelkotte. „Das Angeln entschleunigt. Die Finger werden kalt, dann wärmt man sich kurz auf, trinkt einen Tee – oder ein Bier – und macht weiter.“

Hegefischen und Naturschutz

Die Mitglieder des Fischereivereins Haltern nehmen ihre Verantwortung ernst. „Jeder Angler führt ein Fangbuch, in dem er festhält, welche Arten gefangen werden“, erklärt Hubert Schröer, Geräte- und Gewässerwart. Diese Daten helfen, den Bestand zu überwachen. Falls nötig, werden Fischbesatzmaßnahmen durchgeführt, immer in Abstimmung mit Partnern wie Gelsenwasser. „Beim Hegefischen geht es darum, den Fischbestand zu kontrollieren und vor allem Weißfische zu entnehmen, die sich von Pflanzen ernähren.“

Mit solchen Ködern werden Raubfische gefangen. Foto: Petra Bosse

Auch die Pflege der Angelplätze gehört dazu. „Wir haben regelmäßig Arbeitseinsätze, bei denen wir Stege reparieren, Boote reinigen und Müll entfernen. Es ist wichtig, dass wir diesen schönen Fleck Erde bewahren – für uns und für Gastangler.“ Tages- und Jahreskarten sind für Nichtmitglieder erhältlich, sodass auch sie die winterliche Idylle genießen können.

Gemeinschaft und Genuss

Neben der Naturverbundenheit spielt auch die Geselligkeit eine Rolle. „Unser jährlicher Räucherabend ist ein Highlight“, erzählt Daniel Winkelkotte. „Wir bereiten frisch gefangene Forellen und Aale zu und genießen sie gemeinsam. Früher hatten wir sogar einen Räucherstand auf dem Heimatfest – die Leute haben uns die Bude eingerannt.“

Besuchern gegenüber sind die Angler. Foto: Heimatmedien GmbH

Kulinarische Traditionen und Gemeinschaft sind eng mit dem Angeln verknüpft. Doch auch der Alltag bringt humorvolle Anekdoten mit sich: „Einmal haben wir versucht, Aalgeruch von den Händen zu bekommen. Nichts hilft so gut wie Zitronensaft oder – ganz rustikal – ein Schluck Schnaps.“

Wo die Seele glitzert

Das Winterangeln am Halterner Stausee ist mehr als ein Hobby – es ist eine Auszeit für die Seele. In der Stille des Sees, zwischen Nebelschwaden und glitzerndem Wasser, finden Angler wie Daniel Winkelkotte eine besondere Art von Glück. Es ist die Verbindung von Tradition, Naturverbundenheit und Gemeinschaft, die diese Zeit so einzigartig macht. Oder, wie Daniel Winkelkotte es ausdrückt: „Hier glitzert nicht nur das Wasser, sondern auch die Seele eines jeden Anglers.“

Mehr zum Verein erfährt man unter www.fischereiverein-haltern.com.

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