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Zwischen Schlüsseln, Schildkröten und herrenlosen Koffern

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Das Fundbüro Haltern am See sorgt dafür, dass Verlorenes wieder nach Hause findet

Ob verlorene Schlüssel, vergessene Handys oder herrenlose Schildkröten – im Fundbüro der Stadt Haltern am See landet so manches, was Bürger verloren oder Finder abgegeben haben. Hinter den Kulissen kümmern sich die Mitarbeiter des Bürgerbüros darum, dass Fundsachen möglichst schnell wieder ihren Eigentümern zugeordnet werden können.

Besonders nach größeren Veranstaltungen steigt die Zahl der abgegebenen Gegenstände deutlich an. So wurden rund um den 1. Mai einige Rucksäcke, Handys und Schlüssel abgegeben. Viele dieser Gegenstände konnten bereits am nächsten Tag wieder an ihre Besitzer zurückgegeben werden.

Oft verbleiben Fundgegenstände nur kurzzeitig im Fundbüro. Ein aktuelles Beispiel: Eine Frau aus Dortmund hatte ihr Portemonnaie samt Ausweis und Bankkarten auf dem Autodach liegen lassen. Beim Losfahren fielen die persönlichen Gegenstände herunter. Eine ehrliche Finderin brachte die Geldbörse ins Bürgerbüro, woraufhin die Eigentümerin schnell kontaktiert werden konnte und ihr Eigentum bereits am Folgetag zurückerhielt.

Fundsachen werden sechs Monate aufbewahrt

Wie hoch die Rückgabequote ausfällt, hängt stark von der Art der Fundsache ab. Gegenstände mit Ausweisdokumenten oder anderen eindeutigen Hinweisen lassen sich meist problemlos zuordnen. Schwieriger wird es bei Schlüsseln. Von ihnen sammeln sich im Laufe des Jahres zahlreiche Exemplare an, doch oft meldet sich niemand, um sie abzuholen. Nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten werden nicht abgeholte Gegenstände entweder vernichtet oder – sofern sie noch brauchbar sind – an gemeinnützige Einrichtungen wie die Caritas weitergegeben.

Rund 30 Fahrräder warten im Keller des Rathauses auf ihren Besitzer

Auch Fahrräder gehören zu den häufigen Fundstücken. Derzeit lagern im Fundbüro rund 30 Räder. Vor einer weiteren Verwendung wird geprüft, ob möglicherweise eine Diebstahlsanzeige vorliegt. Kann kein Eigentümer ermittelt werden und erhebt auch der Finder keinen Anspruch auf das Fahrrad, werden die Räder später ebenfalls weitergegeben.

Nicht immer handelt es sich bei den Fundrädern um alte Modelle. Auch hochwertige E-Bikes landeten bereits im Keller des Fundbüros. Die Gründe sind vielfältig. Neben einem Diebstahl wird gelegentlich vermutet, dass ein Versicherungsbetrug hinter einem herrenlosen hochwertigen Fahrrad stecken könnte.

Wer eine Fundsache abgibt, kann angeben, dass er nach Ablauf der gesetzlichen Frist Eigentümer werden möchte.

Meldet sich innerhalb von sechs Monaten niemand, wird der Finder angeschrieben und kann die Sache übernehmen.

Herrenloser Fundkoffer am Bahnhof wurde gesprengt

Neben den alltäglichen Fundstücken bleiben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch einige außergewöhnliche Fälle in Erinnerung. So sorgte vor einigen Jahren ein herrenloser Reisekoffer am Bahnhof für einen größeren Einsatz. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass von ihm eine Gefahr ausging, wurde er von der Bundespolizei kontrolliert gesprengt. Der beschädigte Koffer landete anschließend als Fundsache im Bürgerbüro. Der eigentliche Besitzer wurde nie gefunden.

Zu den kurioseren Gegenständen gehörte außerdem ein nachgebildeter Römerhelm aus Metall, der schließlich an das LWL Römermuseum weitergegeben wurde.

Hunde, Schildkröten, Schweine, Schlangen und ein Nandu

Eine besondere Rolle spielen auch Fundtiere. Während Hunde meist schnell wieder zu ihren Haltern zurückfinden, sorgen vor allem Schildkröten in den Sommermonaten regelmäßig für Arbeit. Mehrmals im Jahr werden die Reptilien gefunden und zunächst durch die Stadt versorgt, bevor sie in eine spezialisierte Schildkrötenstation nach Dorsten gebracht werden. Dort werden sie bestimmt und betreut, bis sich ein Besitzer meldet oder ein neues Zuhause gefunden wird.

Doch damit nicht genug: In den vergangenen Jahren wurden unter anderem eine Kornnatter, mehrere ausgesetzte Hängebauchschweine und sogar ein in der Haard freilaufender Nandu gemeldet. Der große Laufvogel konnte mit Unterstützung des Veterinäramtes eingefangen werden und lebt heute in einer Auffangstation.

Verlorene Gegenstände können über ein deutschlandweites Online Fundportal recherchieren.

www.fundbürodeutschland.de

Onlineportal ermöglicht Recherche von Fundgegenständen

Das Bürgerbüro der Stadt Haltern empfiehlt, gefundene Gegenstände immer offiziell beim Fundbüro abzugeben. Zwar werden Fundsachen häufig auch über soziale Netzwerke oder WhatsApp Gruppen gesucht und gefunden, doch das Fundbüro bleibt die zentrale Anlaufstelle für Suchende. Zudem können Bürger verlorene Gegenstände über ein deutschlandweites Online Fundportal recherchieren (www.fundbürodeutschland.de). Dort werden die gemeldeten Fundsachen mit einer kurzen Beschreibung veröffentlicht, ohne sensible Details preiszugeben.

Und wie steht es um die Ehrlichkeit der Halternerinnen und Halterner? Die Antwort aus dem Bürgerbüro fällt positiv aus: In vielen abgegebenen Portemonnaies befindet sich das Bargeld noch vollständig an seinem Platz. Ein Zeichen dafür, dass Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft in Haltern am See nach wie vor einen hohen Stellenwert haben.

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