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Auf einen Wein mit Klaus Bilkenroth

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Getroffen in Haltern am See, bei ihm im Laden. Im Glas ein spritziger Lugana vom Gardasee, passend zum Wetter. Passend, wie sich zeigen sollte, auch zu ihm.

Man merkt Klaus Bilkenroth in den ersten zwei Sätzen an, dass er Genussmensch ist, bevor er auch nur ein Wort dazu gesagt hat. Er lacht viel, redet schnell und springt munter zwischen den Themen hin und her. „Ich bin sehr unorganisiert und mach halt vieles auf einmal“, sagt er und grinst dabei, ganz offensichtlich mehr stolz als verlegen. Genau das macht ihn sympathisch.

Bilkenroth, 40 Jahre alt, führt zusammen mit seiner Frau Hanna das Familiengeschäft in Haltern am See. Angefangen hat alles mit Zigarren, dann kamen Zigaretten, ein klassisches Tabakfachgeschäft eben, gegründet von seinem Ur-Opa. Übernehmen musste er es nie. Seine Eltern ließen ihm die Wahl. Er machte erst eine Bankausbildung, studierte danach, und irgendwann, im Studium, kam der Gedanke: Warum nicht selbstständig?

„Das macht Spaß und ist eine Herausforderung“, sagt er, so als wäre das die logischste Entscheidung der Welt gewesen. Zusammen mit Hanna übernahm er den Laden und krempelte ihn komplett um.

Aus dem Tabakwarengeschäft wurde ein Genussfachgeschäft. Kein Zigarettenregal mehr, dafür Wein, Kaffee, Whisky und Geschenkartikel.

Seit dreizehn Jahren wächst das Ganze, mittlerweile unter dem schönen, leicht doppeldeutigen Namen „Genussreich“.

„Ohne Hanna hätte ich das glaube ich nicht so hinbekommen“, sagt er, kurz ernst zwischen all dem Lachen. Dann ist der Moment auch schon wieder vorbei, denn die nächste Anekdote wartet.

Der Selfmade Weinkenner

Was Klaus Bilkenroth an Weinwissen hat, stammt aus einer steilen Lernkurve durch schlichtes Ausprobieren. „Es war tatsächlich viel learning by doing“, erzählt er. Gegessen, getrunken, wieder gegessen, wieder getrunken, Weinreisen gemacht, sich dabei fortgebildet, Kurse besucht, ganz nebenbei sozusagen. Klingt nach einem harten Job. Ich frage ihn, ab wann eine Weinprobe für ihn eigentlich keine Arbeit mehr ist. Er muss nicht lange überlegen: Nein.

Auch privat probiert er ständig Neues, einfach aus Freude an der Sache. Wer von den beiden die feinere Nase hat, verrät er ohne zu zögern und ganz ohne Eitelkeit: Hanna. Sie sei die eigentliche Supertasterin im Laden, mit einem außergewöhnlich feinen Geschmacks- und Geruchssinn. Er selbst sieht seine Stärke eher woanders, nämlich im Gespräch mit den Kunden und darin, den richtigen Wein für den richtigen Anlass zu finden.

Wovon er dagegen richtig ins Schwärmen gerät, ist gute Qualität zu einem fairen Preis. Er selbst schaut beim Wein gerne genau hin, weil für dasselbe Geld oft die deutlich bessere Flasche zu haben ist – das ist einfach seine Leidenschaft. Lugana zum Beispiel ist zwar nicht so sein Ding, andere mögen ihn lieben, aber ihm persönlich fehlt da einfach der Funke.

Sein Lieblingswein: gereifter Riesling. Ob ein hoher Weinpreis am Ende Wahrheit oder geschicktes Marketing ist, kommt für ihn ganz auf den Wein an. Manchmal ist es schlicht Angebot und Nachfrage, sagt er, mehr nicht.

Kleine Freuden, große Ideen

Privat ist Bilkenroth eher der Typ für den ruhigen Abend mit wenigen guten Freunden als für das große Fest mit vielen Gästen. Am liebsten schläft er etwas länger, frühstückt in Ruhe, macht ein bisschen Sport und lässt den Tag dann einfach laufen. Was ihn dagegen wirklich auf die Palme bringt, obwohl er sonst so ein entspannter Genussmensch ist: kleine Dinge, die besprochen, aber dann doch nicht erledigt werden.

Ausgerechnet der Mann, der selbst zugibt, ständig zwischen zehn Themen zu springen, kann über liegen gebliebene Kleinigkeiten regelrecht wütend werden. Ein sympathischer Widerspruch. Auf die Frage, mit wem er gerne einmal eine Flasche Wein trinken würde, muss er nicht lange überlegen: Achim Niederberger, ein Unternehmer der seiner Zeit weit voraus war und einst drei Weingüter einer Familie wieder vereinen wollte.

„Mit dem hätte ich gern mal angestoßen und darüber gesprochen, wie er das gemacht hat“, sagt Bilkenroth.

Und wenn sein eigenes Leben ein Wein wäre? Da braucht er tatsächlich keine Sekunde: ein prickelnder Schaumwein, leichte Säurestruktur, viel Frucht, kreativ, und mit einem langen Abgang.

Passt eigentlich ziemlich gut.

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