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Alle (Fahrrad-)Wege führen nach Rom – Auf Pilgertour mit dem E-Bike

Matthias Garsche radelte von Haltern am See nach Italien

Bei der diesjährigen Bistumswahlfahrt nach Rom, bei der insgesamt rund 2.500 Pilger teilnahmen, war auch die Halterner Gemeinde St. Sixtus mit 70 Teilnehmern vertreten. Angereist wurde weitestgehend auf konventioneller Art – sei es mit Bus, Bahn oder Flugzeug. Mit einer Ausnahme: Der 67-jährige ehemalige Pastoralreferent Matthias Garsche wollte die komplette Tour mit dem Fahrrad auf sich nehmen.

Eine besondere Herausforderung auf 1.800 Kilometern

Für Garsche sollte es eine ganz besondere Herausforderung werden: Für die Strecke von 1.800 KM und 15.000 Höhenmetern hat er vier Wochen Zeit eingeplant. Mit der Streckenplanung begann der passionierte Fahrradfahrer bereits im Frühjahr:

„Ich bin jahrelang jeden Tag rund 14 KM mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. 2017 bin ich bereits eine Tour nach Assisi in Italien gefahren – das sind rund 250 KM weniger als nach Rom. Damals am Rhein entlang über Südtirol, dort, wo sich die Alpenüberquerung mit den wenigsten Höhenkilometern befindet. Ich wusste also, worauf ich mich einlassen.“, so Garsche.

Blick auf die große Pilgermenge auf dem Petersplatz während der Bistumswahlfahrt nach Rom. Foto: Privat

Über den Gotthardpass: Eine anspruchsvolle Route

Die Tour nach Rom führte diesmal über den Schweizer Gotthardpass der weitaus anspruchsvoller zu fahren ist. Höhen von bis zu 2.100 Metern mussten erklommen werden. „Mit 67 Jahren bin ich nicht mehr der Jüngste und bin die Tour mit einem leichten E-Bike gefahren.

Mir war es aber wichtig, die sportliche Komponente zu erhalten und habe nur zu 10% auf die E-Unterstützung zurückgegriffen.“, berichtet der Halterner Pilgerfahrer. Auch hatte er stets einen Begleiter dabei – Freunde, die auf verschiedenen Streckenabschnitten mitradelten.

Unterkünfte zwischen Pfarrhäusern, Klöstern und Bruderschaften

Bis zu 100 KM täglich wurden so mit dem Fahrrad zurückgelegt. Übernachtet wurde u.a. in Pfarrhäusern und Klöstern. Auch einige Kirchen hatten Gästezimmer. „Pilger aufnehmen ist eine urchristliche Tradition. Diese gab es schon im Mittelalter. Damals waren Pilger noch über Jahre unterwegs. Pilger aufnehmen ist bis heute selbstverständlich und auch meistens kostenlos.“, erklärt Garsche.

Doch es blieb oftmals nicht nur bei einer reinen Unterkunft. Als Pilger wurde Garsche immer in das gemeinschaftliche Leben integriert. Man betete gemeinsam und diskutierte bei einem Glas Wein über theologische Fragen. „Die Begegnungen waren das Herzstück der Tour.“, reflektiert der Halterner seine intensiven Erlebnisse.

„Insbesondere in Norditalien waren wir in vielen Kapuzinerklöstern. Dort wurden wir großzügig bewirtet, haben mit den Mönchen gegessen und Gottesdienste besucht. Häufig waren es auch kleine Bruderschaften mit fünf bis zehn Mönchen. Einmal diskutierten wir mit zwei indischen und einem brasilianischen Priester. Es wurde über zwei Ecken übersetzt – ein indischer Priester sprach Englisch und übersetze für die anderen Beiden. So haben wir uns dann unterhalten.“

Ruhetage, Assisi und wunderschöne italienische Landschaften

Alle zwei bis drei Tage wurde ein Ruhetag abgehalten. Dabei wurde sich auch mal Zeit für die ein oder andere Städtebesichtigung genommen. Die italienische Stadt Assisi war für Garsche ein Höhepunkt von Vielen. Zu Fuß besuchte er die Kapelle – etwas außerhalb von Assisi – wo der Heilige Franziskus der Legende nach seine Berufung erfahren hatte, die Kirche wieder neu aufzubauen. Dort hat der Orden der Franziskaner seinen Ursprung.

Panoramablick über die italienische Landschaft entlang der Pilgerroute nach Rom. Foto: Privat

Ab Assisi begann für Garsche der landschaftlich schönste Streckenabschnitt mit wunderschönen Tälern, Bächen und angelegten Radwegen – leider auch oftmals begleitet von Steigungen von 10 – 15 Prozent.

Wetterkapriolen und kleine Abenteuer unterwegs

Die Pilgerreise verlief weitestgehend ohne besondere Vorkommnisse. In der Schweiz wurde sie jedoch von viel Regen und Schneegrieseln begleitet. Und das bei einem Bergpass mit rutschigem Kopfsteinpflaster. „Wir hatten Glück. Am Tag danach wurde der Gotthardpass wegen Schneeverwehungen komplett gesperrt.“, so Garsche.

Ein anderes Mal sind die Halterner Pilger im Schlamm eingesackt. Hartnäckiger Lehm und Matsch setzten die Räder fest. Eine örtliche Autowerkstatt half jedoch unkompliziert und reinigte die Räder mit einem Hochdruckreiniger. „Das war einer der vielen netten kleinen Begegnungen: Leute mit Herz.“, so Garsche.

Ankunft in Rom und spirituelle Tage in der heiligen Stadt

Große Erleichterung gab es, als das Ziel erreicht wurde: Rom. Dort stieß Garsche zusammen mit seinem Begleiter auf die restlichen Halterner, die bei der Pilgerwoche dabei waren. Unter der Leitung von St. Sixtus-Pfarrer Michael Ostholthoff wurden die kommenden Tage in der heiligen Stadt gestaltet. Pfarrer Ostholthoff hatte fünf Jahre in Rom studiert und kannte sich bestens in der Stadt aus. Auf dem Programm standen viele religiöse und historische Sehenswürdigkeiten – u.a. die Katakomben, wo die ersten Christen bestattet wurden.

Zahlreiche Pilger versammeln sich auf dem Petersplatz in Rom während der Bistumswahlfahrt. Foto: Privat

Spendenaktion für die Sudanhilfe – 13.000 Euro gesammelt

Die Fahrrad-Pilgerreise von Matthias Garsche wurde von einem Spendenaufruf begleitet. Pro gefahrenen Kilometer konnte ein Betrag für die Sudanhilfe gespendet werden – beispielsweise einen Cent pro KM. Die Pilgerfahrt konnte per Livetracker virtuell von den Spendern begleitet werden. Bislang kamen so ca. 13.000 Euro für das Sudan-Hilfsprojekt zusammen – passend zu dem Motto der Tour: Pilger der Hoffnung.

Die reich verzierte Kuppel des Petersdoms. Foto: Privat

Ausblick: Noch keine neue Tour geplant

Eine neue Fahrrad-Pilgertour hat Garsche noch nicht in Planung. „Grundsätzlich macht mir eine solche Tour sehr viel Spaß und einer neuen Idee für eine Pilgertour mit dem Rad steht auch nichts im Wege.“, so Garsche zu seinen Pilgertour-Zukunftsplänen.

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