An vielen Orten in Haltern wurde heute an die Gräueltaten des Naziterrors erinnert – unter anderem auch an dem Waggon an der Alexander-Lebenstein-Realschule. Viele Bürger fanden sich auch heute am späten Nachmittag auf dem jüdischen Friedhof in Haltern am See ein, um an die Opfer des Holocausts zu erinnern.

Bürgermeister Andreas Stegemann begrüßte die anwesenden Menschen mit einer Rede: „Auch wenn uns Glaube, Herkunft oder Lebenswege unterscheiden mögen – wir sind alle Menschen. Wir teilen den Wunsch nach Frieden, nach Sicherheit und nach einer Zukunft für unsere Kinder, in der Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstanden wird“, so die einleitenden Worte des Bürgermeisters. In seiner weiteren Rede bezog sich Stegemann auch mit mahnenden Worten auf die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen: „Gerade in diesen unruhigen Zeiten ist es wichtiger denn je, als Stadtgesellschaft zusammenzustehen und unsere Werte klar zu vertreten. Antisemitismus, Hass und Gewalt nehmen weltweit wieder zu – auch bei uns.“

St. Sixtus Seelsorgerin Cäcilia Scholten erinnerte an den Holocaust in Haltern
St.-Sixtus-Pfarrer Michael Ostholthoff konnte wegen Krankheit an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Als Vertreterin wurde das Mikrofon an Cäcilia Scholten (Seelsorgerin und Referentin der Pfarrgemeinde St. Sixtus) übergeben. Zu Beginn ihrer Rede erinnerte sie an ein Ereignis aus dem Jahr 1938, das sich hier in Haltern ereignete: „Unser alter Nachbar, der im vergangenen Jahr im Alter von 97 Jahren verstorben ist, hat mir oft von seinen Kindheits- und Jugenderlebnissen in der Zeit der Naziherrschaft erzählt. Die Geschichte des 9. November 1938, als die Synagoge in Haltern brannte, ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Unweit der Merschstraße brannte das Gotteshaus – so erzählte er –, und die Feuerwehr hatte den ausdrücklichen Befehl, lediglich die umliegenden Häuser vor dem Brand zu schützen. Die jüdischen Menschen wurden durch die Rekumer Straße getrieben, darunter eine alte Frau, die am Stock ging und ihren Peinigern nicht schnell genug vorankam. Sie wurde mit Stöcken geschlagen, bis sie am Boden lag und weggetragen werden musste. – Hier auf diesem jüdischen Friedhof gedenken wir heute der vielen Millionen Opfer der Nazidiktatur“, so Scholten.

Angst ist ein schlechter Ratgeber
Nach dem Rückblick auf die Schreckenszeit der Nazidiktatur wurden auch die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen kritisch thematisiert: „Wie sehr geopolitische Fragen, die Gier nach Macht, die Habsucht nach Bodenschätzen sowie Auseinandersetzungen in Glaubensfragen auch heute die Welt umtreiben, sehen wir täglich in den Nachrichten. Als Seelsorgerin höre ich immer häufiger: ‚Ich kann es nicht mehr hören, ich kann es nicht mehr sehen, ich schalte die Nachrichten mittlerweile ab.‘ Und ich sage: Es hilft nicht, die Augen zu verschließen und sich in Sattheit und Trägheit einzurichten. – Angst ist ein schlechter Ratgeber!“, so die mahnenden Worte von Scholten.
Mit einem Gebet des frommen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch aus dem Jahr 1967 wurde die Gedenkveranstaltung beendet.

Holocaustgedenktag erinnert an unfassbares Leid
Am 27. Januar gedenken wir der Millionen Opfer des Holocaust und der Verbrechen des Nationalsozialismus. Dieser Tag erinnert uns an das unfassbare Leid und mahnt, die Würde jedes Menschen zu schützen. Erinnerung bedeutet Verantwortung – gegen Hass, Ausgrenzung und das Vergessen.
