Auch in Haltern ist es Tradition, an den Gräueltaten der Nazis in der Pogromnacht, am 9. November 1938, zu erinnern. In dieser Nacht zerstörten Nationalsozialisten in ganz Deutschland und Österreich jüdische Geschäfte, Synagogen und Wohnungen. Diese Gewalt, auch bekannt als Kristallnacht, markierte den Beginn der offenen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch das NS-Regime – auch in Haltern am See.


Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt in Zusammenarbeit mit dem Asylkreis und dem Verein Vitus. Aufgrund des Gänsemarktes fand die Gedenkfeier in diesem Jahr ein Tag später, am Montag den 10.11., auf dem Halterner Marktplatz statt.

Kurz vor 18 Uhr wurde die Gedenkfeier musikalisch eingeleitet. Das Rathaus wurde mit Halterner Bildern aus der Naziherrschaft illuminiert. Die Bilder wurden vom Stadtarchivar Gregor Husmann zur Verfügung gestellt. Ralf Rieder sang mit Begleitung Lieder von Georg Kreisler.

Erste Rede von Halterns neuen stellv. Bürgermeister Dr. Holger Pooten
Jule Brinkert moderierte die Gedenkveranstaltung. Unter anderem hatte Halterns neu gewählter stellvertretender Bürgermeister, Dr. Holger Pooten, in dem Rahmen seinen ersten öffentlichen Auftritt. „Das wir heute hier gemeinsam stehen, Menschen unterschiedlicher Generationen, Glaubensrichtungen und Lebensumständen, zeigt, dass Erinnerung in Haltern am See lebendig ist. Der heutige Abend stellt unter Beweis, dass wir als Stadtgesellschaft Verantwortung übernehmen, für das, was war, für das, was ist, und für das, was sein soll“, so Pooten.

Schüler der Halterner Schulen beteiligten sich an der Gedenkfeier
Auch Schüler aus Halterns Schulen kamen zu Wort. Zum Beispiel erzählte Fadhil, Schüler der Joseph-Hennewig-Schule in Haltern, wie er vor zehn Jahren mit seiner Familie nach Deutschland gekommen ist: „Anfangs war alles neu für mich die Sprache, die Menschen, die Kultur. Es war nicht immer leicht, aber mit der Zeit habe ich hier Freunde gefunden, bin zur Schule gegangen und habe mir ein Leben aufgebaut. Seit kurzer Zeit bin ich deutscher Staatsbürger und ehrlich gesagt fühlt sich das besonders an. Ich bin stolz darauf, aber manchmal frage ich mich auch: Bin ich jetzt wirklich „deutsch“? Werde ich von der Gesellschaft auch so gesehen?“, so Fadhil.

St. Sixtus-Pfarrer Ostholthoff berichtete von einer wahren Begegnung
Als kirchlicher Vertreter trat St. Sixtus Pfarrer Michael Ostholthoff an das Mikrofon. Er berichtete von einer zufälligen Begegnung in einem Restaurant, bei der er ein Gespräch zwischen Gästen mitbekommen hat. Einer der Gäste unterhielt die anderen mit wilden aber ernstgemeinten Verschwörungstheorien, dass die Juden an aller Schuld seien und ihre Hände in Politik und Wirtschaft hätten. Der Halterner Pfarrer erzählte, wie er sich schließlich in das Gespräch einmischte. Ein Ereignis, dass zeigt, dass Judenhass bei manchen Menschen nach wie vor noch gegenwärtig ist.



