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Montag, Januar 19, 2026
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Was kreucht und fleucht in Halterns Wäldern?

Eine Geschichte über Halterns wilder Tier- und Pflanzenwelt

Das Halterner Stadtgebiet ist von zahlreichen Wäldern umgeben: u.a. Sundern, Haard, Granat und Borkenberge. Schon lange habe ich mich gefragt, was da wohl so alles los ist?

Der Wald lebt und zahlreiche Tiere sind dort beheimatet. Gerade nachts erweckt diese Tierwelt zum Leben – völlig unsichtbar für uns, die Bewohner der Seestadt. Um mehr darüber zu erfahren, habe ich mich mit Menschen getroffen, die es besser wissen als ich.

Unterwegs mit Halterns Forstbeauftragten Markus Husmann

Halterns Forstbeauftragten Markus Husmann
Halterns Forstbeauftragten Markus Husmann / Foto: Frank Schürmann

Im Sundern habe ich mich mit Halterns Forstbeauftragten Markus Husmann auf einen kleinen Rundgang getroffen. Unsere Wälder befinden sich wieder in einem guten Zustand. Noch vor wenigen Jahren sah das anders aus: „Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar: Vor zwei drei Jahren hatten wir viele Borkenkäfer, die den Wäldern zu schaffen gemacht haben. Der Schaden war groß. Teilweise mussten wird wieder aufforsten – also neue Bäume pflanzen. Jetzt ist die Borkenkäfer-Population zum Glück wieder zurück gegangen. Mit Schuld an dem Schaden waren die trockenen und milden Winter. Bei andauernder Trockenheit bildet die Fichte kaum Harz und kann sich nicht gegen den Käfer schützen. Grundsätzlich sind Halterns Wälder aber relativ gesund und mit ungefähr 40% Nadelwald und 60% Laubwald sehr ausgeglichen. Große Buchen leiden derzeit wegen der trockenen Sommer am meisten.“, berichtet der Forstbeauftragte.

Wäldern weitestgehend ausgeglichen

Auch Halterns Tierwelt ist in den Wäldern weitestgehend ausgeglichen. Hase, Fuchs, Damwild, Wildschweine und Co. sind die klassischen tierischen Waldbewohner dieser Regionen. Wildschweinen wird oftmals, wenn sie Junge haben, aggressives Verhalten nachgesagt. In Haltern sind dem Forstbeauftragten jedoch keine unangenehmen Begegnungen mit den Tieren bekannt: „Wenn ein Wildschwein aggressiv reagiert, liegt es fast immer am Fehlverhalten des Menschen.“, erklärt Husmann.

Haltern und der Wolf

Auch tierische Kuriositäten gibt es in Haltern: Im Jahr 2020 durchzog ein Wolf Halterns Wälder. Das war schon eine kleine Sensation, galten Wölfe hier doch seit 1835 als ausgestorben. Zwar gab es historisch belegte Aussagen, dass im Winter 1943 ein Wolf zwischen Dülmen und Sythen geschossen worden sein soll, jedoch konnten diese nie eindeutig verifiziert werden – möglicherweise war das damals als Wolf bezeichnete Tier ein Hund. Der bei Haltern gesichtete Wolf war nur auf der „Durchreise“. Niedergelassen haben sich hier bislang keine Wölfe.

Ein Nandu in der Hohen Mark

Ein Nandu Hohe Mark Haltern
Ein Nandu Hohe Mark Haltern / Foto: Markus Husmann

Nicht schlecht staunte Förster Husmann, als er vor einem Nandu mitten in der Hohen Mark stand. Gut, auch ich musste mich erst fragen: Was ist ein Nandu? Ein Nandu ist ein ca. 1,30 Meter großer flugunfähiger Laufvogel, den man sich wie einen Strauß vorstellen kann. Eigentlich ist das Tier irgendwo zwischen Argentinien und Brasilien beheimatet und somit in Halterns Wälder völlig fehl am Platze. Das Tier war sehr scheu. Es musste ein Tierarzt gerufen werden, um den Nandu zu betäuben und schließlich einzufangen. Dieser wurde dann der Tierrettung übergeben und fand so ein neues Zuhause. „Der Nandu hielt sich wohl schon einige Wochen im Halterner Waldgebiet auf und hatte sich von Grünzeug und Insekten ernährt. Wir vermuten, dass er irgendwo aus einer privaten Haltung ausgebrochen ist.“, berichtet der Halterner Forstbeauftragte. Bis heute ist die Herkunft des Nandus ein Rätsel.

Storchpopulation hat u.a. zugenommen

Neben derartigen Kuriositäten gibt es auch Veränderungen in Halterns Wäldern. Beispielsweise ist die Population der Störche angewachsen. Diese waren in den 70er-Jahren hierzulande kaum präsent. Auch Falken und Milane sieht man zunehmend. Leider wurde auch die Asiatische Hornisse bereits im Kreis Recklinghausen nachgewiesen. Diese eingewanderte Hornisse ist deutlich größer als die heimische Hornisse und stellt eine Bedrohung für die hiesige Insektenwelt dar. Auf dem Halterner Stadtgebiet ist dem Förster keine verifizierte Sichtung bekannt.

Seeadler am See?

Ein ganz besonderes tierisches Gerücht hat mir Markus Husmann zudem erzählt: „Ich habe erfahren, dass sich am Stausee ein Seeadler-Paar aufhalten soll. Gesehen habe ich es selbst noch nicht.“. Ein Seeadler-Paar am Halterner Stausee käme einer kleinen ornithologische Seestadt-Sensation gleich. Um diesen Tipp nachzugehen, habe ich den Halterner Hobby-Naturfotografen Bernd Lamm kontaktiert und gefragt, ob ihm etwas darüber bekannt ist: „Das wäre mir neu. Aber wenn es sich bestätigen würde, wäre das wirklich spektakulär.“, so der Fotograf. OK, leider konnte somit der Fotobeweis des Halterner Seeadler-Paares nicht erbracht werden. Diesbezüglich bleibt es also spannend.

Warten auf das perfekte tierische Foto

Eisvogel von Bernd Lamm
Eisvogel / Foto: Bernd Lamm

Bernd Lamm selbst hat schon viele heimische Tiere fotografiert. Oft verbringt er mitsamt Kameraequipment viele Stunden oder sogar Tage in einem Tarnzelten, um wilde Tiere ungestört fotografieren zu können. Sowohl im Ausland wie auch in der Heimat. „In Sythen habe ich an einem Teich seit fünf Jahren ein festes Tarnzelt installiert. Hier konnte ich beispielsweise schon Fotos von Eisvögeln schießen.“, so Lamm. Die bunt schimmernden Eisvögel sind ein weiteres Beispiel für eine seltene und streng geschützte heimische Art, die bereits seit einigen Jahrzehnten u.a. im Bereich des Stausees und der Stever zunehmend vertreten ist.

Eingefangen mit der Wildtierkamera: Nächtliches Treiben im Wald

Unterwegs mit der Wildtierkamera: Mark Besten aus Haltern am See
Unterwegs mit der Wildtierkamera: Mark Besten aus Haltern am See / Foto: Frank Schürmann

Auch der Halterner Hobby- und Naturfotograf Mark Besten ist stets auf der Jagd nach den schönsten Natur- und Tieraufnahmen in unserer Region. Um Stunden oder Tage in einem Tarnzelt zu verharren, fehlt dem Halterner selbständigen Unternehmer die Zeit. Diesen Job lässt Besten von Wildtierkameras erledigen und hat somit auch das nächtliche Geschehen in Halterns Wäldern im Blick – bzw. vor der Linse: „Ich suche gezielt im Wald nach versteckten Stellen für meine Wildtierkameras. Auch wegen dem Diebstahlrisiko. Eine Wildkamera wurde mir bereits gestohlen. Außerhalb von Naturschutzgebieten darf man auch abseits der Wege durch den Wald laufen. Das dürfen Leute beim Pilze sammeln ja auch. Dort lassen sich dann die Wildpfade der Tierwelt finden. Diese sind meistens sehr schmal und für den Laien kaum zu erkennen. Dafür braucht man ein geschultes Auge. Auf diesen festen Pfaden laufen die Tiere nachts regelmäßig. Dann sucht man am besten eine Kreuzung, wo zwei dieser Wildpfade aufeinandertreffen. Dort hat man die doppelte Chance auf gute Foto- und Videoaufnahmen. Und genau dort, positioniere ich meine Kamera. Man muss nah an den Pfad dran, damit auch kleine Tiere gefilmt werden. Die Kamera wird dann an einem Baum niedrig aufgehängt. Und dann wird sie noch mit einigen Zweigen getarnt. Erkennt die Kamera dann nachts mittels Infrarotsensor eine Bewegung, fängt sie an zu filmen.“, erklärt Mark Besten seine Vorgehensweise. Mark hatte schon so einiges vor der Linse: u.a. Mäuse, Rehbock, Dachse, Mader, Igel, Hasen oder auch verschiedene Vogelarten.

Seinem Hobby geht Besten durchaus mit Erfolg nach: Er war es schließlich, der den Wolfsbesuch in Halterner Wäldern im Jahr 2020 mit seiner Wildtierkamera-Aufnahme nachweisen konnte. Das Video vom Halterner Wolf wurde genaustens vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) untersucht und verifiziert. Es kam dafür extra ein Wolfsberater nach Haltern. Mark musste die genaue Stelle im Wald zeigen, wo die Aufnahmen entstanden sind. Dann wurde die Aufnahme mit der Umgebung abgeglichen, um einen Betrug auszuschließen. „Nicht selten schießen Spaßvögel ein Wolfsfoto im Zoo und reichen dies dann beim LANUV als Sichtung ein. Deswegen muss jedes Video oder Foto von Fachleuten genau analysiert und mit der Umgebung abgeglichen werden.“, so Besten.

Nicht jeder freut sich über Wildtierkameras

Auch wenn Mark seine Wildtierkameras nur an legal zugänglichen Stellen aufhängt, sind nicht alle darüber erfreut: „Ich hatte schon Diskussionen mit Jagdpächtern und Förstern. Diese sind oft nicht von dem Hobby begeistert. Ich vermute, weil sie sich beobachtet fühlen. Dabei hängt meine Kamera immer dort, wo eh niemand vorbei geht. Da holt man sich oft blutige Beine, um dahin zu kommen. Deswegen ist die Kritik völlig unbegründet.“, so der Halterner Hobbyfotograf.

Foto: Mark Besten

Die Tierwelt fängt vor der eigenen Haustür an

Einen besonderen Tipp hatte Mark noch für mich: Die Tierwelt fängt vor der eignen Haustür an. Mit einer Wildkamera lassen sich bereits spannende Aufnahmen im eignen Garten über Nacht erstellen: Kaninchen, Igel, Katzen, Mäuse, Eichhörnchen – das sind nur einige Tiere, die auch im Stadtgebiet ihr Zuhause haben.

Was nun die Zukunft für die Halterner Wälder bringt, bleibt abzuwarten. Hingegen sich die in den 80er-Jahren viel diskutierten düsteren Prophezeiungen von Waldsterben, u.a. aufgrund von sauren Regen, kaum bewahrheitet haben, zeigt der Klimawandel bereits deutliche Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna. Hier kann man nur darauf hoffen, dass die Vielseitigkeit und Schönheit unserer hiesigen Waldlandschaft diese Entwicklung einigermaßen überstehen.

Und zum Abschluss stellt sich für mich noch die spannende Frage, ob es denn nun am Halterner Stausee ein Seeadler-Paar gibt? Wer etwas weiß, möge sich gerne an unsere Redaktion wenden. Denn das wäre eine kleine Seestadt-Sensation.

Einige Naturfotos von Mark Besten:

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