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Aufbruch in neue Welten: Der Rotary-Schüleraustausch

Zwei Jugendliche aus Südamerika leben bei Gastfamilien in Haltern am See und erleben Schule, Alltag und Kultur aus einer neuen Perspektive.

Zwei Jugendliche aus Südamerika leben für ein Jahr in Haltern und werden Teil von Schule, Familie und Alltag. Der Rotary-Schüleraustausch zeigt, wie schnell aus Fremden vertraute Gesichter werden. Eine Geschichte über Begegnungen, Mut und neue Perspektiven.

Gegründet wurde der Rotary Club Haltern am See am 10. August 2006. Die Ursprungsidee des Clubs geht auf das Jahr 1905 zurück, als seinerzeit in Chicago/USA der erste Club gegründet wurde. Ziel der Organisation ist es u. a., gemeinnütziges Engagement über persönliche Interessen zu stellen und sich weltweit für humanitäre Projekte, Bildung und Völkerverständigung einzusetzen.

Ziele, die bis heute Bestand haben und auch von den Halterner Rotariern gelebt werden. Ein besonderes Projekt ist hierbei der Jugendaustausch, bei dem Jugendliche bis zu einem Jahr bei Gasteltern in einem anderen Land leben – und zwar weitab der eigenen Heimat und der hiesigen vertrauten Kultur:

Herzlicher Empfang: Austauschschüler Maxi wird bei seiner Ankunft in Deutschland von seiner Gastfamilie willkommen geheißen. Foto: Privat

„Nahezu jedes Land der Erde kommt für einen Austausch infrage: Taiwan, Brasilien, Kanada, USA. Letztes Jahr hatten wir Eduardo aus Mexiko und Yaoki aus Japan in Haltern zu Gast. Auch eine Halterner Jugendliche, Ronja (16), lebt aktuell bei einer Gastfamilie in Ecuador.“, so Michael Heistermann, Mitglied der Rotarier Haltern am See.

Kaum Heimweh, aber viel Spaß

Zu Gast in Haltern am See sind aktuell Ainhoa (16) aus Argentinien und Maxi (16) aus Chile. Maxi ist vor fünf Monaten in der Seestadt angekommen, Ainhoa Mitte Dezember des letzten Jahres. Heimweh lassen sich die beiden Südamerikaner nicht anmerken, und Haltern am See finden sie toll:

Ainhoa aus Argentinien verbringt ihr Austauschjahr in Haltern am See und sammelt dabei viele neue Eindrücke, Freundschaften und Erfahrungen. Foto: Privat

„Wir treffen uns hier mit Freunden. Wir haben hier viel Spaß und lieben Haltern. Unsere Gastfamilien sind sehr herzlich und unternehmen viel mit uns“, berichtet Maxi.

„Work and Fun, all in One!“

Trotz vieler Freizeitmöglichkeiten geht es bei dem Austausch nicht um einen Ferienaufenthalt, denn die Jugendlichen werden voll in den familiären Alltag integriert:

„Maxi geht vormittags ganz normal zur Schule und hat seinen festen Stundenplan. Er besucht die 10. Klasse am Joseph-König-Gymnasium“, so Maxis Halterner Gastmutter Jennifer Hand.

Mittendrin im Familienleben

Maxi hat sich schnell eingewöhnt. Zu Anfang hatte er beispielsweise Hemmungen, einfach so an den Kühlschrank zu gehen. Mittlerweile kocht sich Maxi auch schon mal selbstständig Essen.

Auch im Haushalt muss Maxi mit anpacken:

„Bei uns muss er auch mal die Spülmaschine ausräumen oder saugen – zu Hause, in Ecuador, muss er das nicht.“, berichtet Maxis Gastmutter.

Mittendrin im Familienleben: Austauschschüler Maxi hilft in der Küche mit und sammelt erste Erfahrungen im deutschen Alltag. Foto: Privat

Familienfeste werden gemeinsam gefeiert und Freizeitaktivitäten gemeinsam unternommen.

„Weihnachten und Weihnachtskekse backen war für Maxi beispielsweise eine ganz neue Erfahrung – das kannte er so noch nicht. Wir haben immer viel Spaß zusammen und bereuen den Austausch nicht“, erklärt Jennifer Hand.

Heimweh? Fehlanzeige – eigene Tochter parallel in Ecuador

Jennifers eigene Tochter Ronja ist parallel in Ecuador.

„Ronja fühlt sich bei ihrer Gastfamilie pudelwohl. Heimweh scheint wohl nicht vorhanden zu sein, denn unsere Tochter liebäugelt bereits mit einer Verlängerung.“, schmunzelt Jennifer Hand.

Ronja bei ihrer Gastfamilie in Ecuador: Während die Austauschschülerin Haltern am See gegen Südamerika tauscht, entstehen neue Freundschaften und unvergessliche Erinnerungen. Foto: Privat

Trotzdem möchte Jennifer nach einem Jahr ihre eigene Tochter erstmal wiedersehen. Ein gemeinsamer Familienbesuch in Ecuador nach dem offiziellen Austausch ist jedoch bereits in Planung.

Frieren in Haltern, Barbecue in Südamerika

Größer als die kulturellen Unterschiede sind die Temperaturen in beiden Ländern. Während in Südamerika aktuell Hochsommer mit Temperaturen um die 40 Grad herrscht und Maxis Onkel Fotos von Grillabenden per WhatsApp sendet, hat die Seestadt bereits erste winterliche Minustemperaturen hinter sich. Maxi und Ainhoa nehmen es gelassen und genießen offensichtlich die mitteleuropäische Kälte.

Sprachbarrieren waren kaum eine Hürde

Trotzdem ist so ein Austausch auch ein gewisser Sprung ins kalte Wasser – insbesondere Sprachbarrieren können eine erste Hürde darstellen. In ihren Heimatländern wird Spanisch gesprochen.

Ainhoa sprach bereits zudem Englisch. Maxi hatte nur grundlegende Englischkenntnisse. Die deutsche Sprache haben beide erst in Deutschland gelernt. Hierbei werden sie vom Rotary Club mit einem kostenlosen Deutsch-Sprachkurs gefördert. Beide sind bereits in der Lage, einfache Dialoge auf Deutsch zu führen.

„Zum Glück kann man heute mit Handy-Apps Sprachen schnell übersetzen. So ist die Sprachbarriere weniger problematisch“, so Andrea Rüdiger, die sich um den Jugendaustausch der Rotarier kümmert.

Jugendträume gehen in Erfüllung – vom Bahamas-Abenteuer bis Taiwan

Der Jugendaustausch der Halterner Rotarier begann vor 18 Jahren. Halterns erster Rotary-Austauschschüler hatte direkt einen Sechser im Lotto: Er landete auf den Bahamas, und seine Gasteltern waren Bierbrauer – ein Austausch, den der damals 16-Jährige sicherlich sehr genoss.

„Der Aufenthalt unseres Sohnes auf den Bahamas war natürlich perfekt für ihn. Wir hatten im Gegenzug einen Austauschschüler aus den USA bei uns hier in Haltern. Den habe ich im Herzen adoptiert, und wir haben bis heute regelmäßigen Kontakt mit ihm.

Für mich ist er mein amerikanischer Sohn. Wir haben uns noch im letzten Herbst in Lübeck getroffen“, berichtet Halterns erste Rotary-Gastmutter Mechtild.

Mechtilds zweiter Sohn war später über den Rotary-Austausch in Taiwan und hat dort die Sprache Mandarin gelernt.

Gute Erfahrungen dominieren den Austausch

Aber nicht jeder Austauschschüler hat das Glück, bei einem Bierbrauer auf den Bahamas zu landen, und Heimweh kann auch eine Rolle spielen.

„Wir haben in den letzten Jahren 15 Schüler aus Haltern im Austausch gehabt, meistens im Jahresprogramm. Abgebrochen hat keiner, und wir haben nur gute Erfahrungen gemacht.

Bei Problemen gibt es eine Vertrauensperson im Club: Schwierigkeiten, Heimweh und kleine Probleme werden darüber schnell geregelt.“, berichtet Rotary-Mitglied Michael.

Austauschprogramme und Voraussetzungen

Grundsätzlich gibt es zwei Austauschprogramme:

  • das Kurzaustauschprogramm mit einem Entsendezeitraum von sechs bis acht Wochen
  • den üblichen Austausch über ein Jahr

Die Schüler müssen mindestens 15 Jahre alt sein. Im Durchschnitt sind die meisten Austauschschüler zwischen 16 und 17 Jahre alt.

Die Kosten für den Austausch beschränken sich hauptsächlich auf Reisekosten, Versicherungen und ggf. Schulkleidung. Der Rotary Club stellt sicher, dass die Gastfamilien seriös sind. Bevor diese einen Schüler aufnehmen dürfen, finden vor Ort Kontrollen der Gastfamilien statt. Zudem müssen diese ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen.

Die Eltern besuchen während des Austausches ihre Kinder im Regelfall nicht im Gastland. Oftmals wachsen die Gastfamilien jedoch so zusammen, dass nach dem offiziellen Rotary-Austausch gegenseitige Besuche stattfinden.

Kontakt für interessierte Familien

Interessierte Familien können sich über Michael Heistermann, dem Jugenddienstbeauftragten des Rotary Clubs Haltern, via E-Mail direkt informieren: schueleraustausch-rotary-haltern@gmx.de

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