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Minijobs abschaffen? „Entweder steigt der Preis oder das Angebot wird kleiner“

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Ein Restaurant, ein Schuhgeschäft und ein Pflegebetrieb: Die Debatte um Minijobs in Haltern beschäftigt Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. In der Sythener Flora diskutierten Markus Pfeiffer, Christiane Schroer und Karsten Kalinowski über Flexibilität, Kosten und Versorgungslücken.

Moderiert wurde das Gespräch von Jacqueline de Cillia von der Lokallust Haltern. Anlass ist die politische Debatte über den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs. Beschlossen ist die Abschaffung bislang nicht. Doch schon die Debatte sorgt in Haltern für Unruhe.

Gastronomie braucht flexible Kräfte

Markus Pfeiffer beschäftigt in seinem Restaurant in Sythen zwei Minijobber im Service und im Housekeeping. An Wochenenden und bei Veranstaltungen schwankt der Personalbedarf. Eine Umwandlung in reguläre Teilzeit sei möglich, sagt er: „Könnte ich, wenn meine Gäste das einfach mitfinanzieren würden.“

Viele Minijobber hätten bereits einen Hauptberuf oder könnten nur einzelne Schichten übernehmen. Für Pfeiffer läuft die Rechnung deshalb auf eine einfache Alternative hinaus: „Entweder steigt der Preis oder es sinkt die Verfügbarkeit.“

Kleinere gastronomische Betriebe könnten eine feste Belegschaft für wenige starke Stunden kaum dauerhaft finanzieren. „Sollen die Gäste fünf Festangestellte durchfinanzieren, nur weil an vier Sonntagen besonders viel los ist? Wie soll das funktionieren?“, fragt Pfeiffer. Minijobs seien in der Gastronomie daher „zwangsläufig notwendig“.

Einzelhandel kann Spitzen kaum planen

Auch Christiane Schroer setzt Minijobber ein, wenn Mitarbeiter ausfallen oder das Geschäft plötzlich anzieht. „Eigentlich immer dann, wenn Lücken oder Spitzen entstehen, setzt du Minijobber ein“, sagt sie.

Kundenströme ließen sich heute kaum noch anhand fester Tage oder Uhrzeiten einschätzen. „Es ist völlig variabel geworden“, sagt Schroer. Weniger Personal bedeute längere Wartezeiten und weniger Beratung.

Den Minijob nennt sie einen „kleinen Lückenbüßer“. Er füllt Stunden, für die eine dauerhafte Teilzeitstelle zu groß wäre, die im Betrieb aber dennoch abgedeckt werden müssen. Eine Reform müsse daher dieselbe Flexibilität erhalten.

Pflege warnt vor Versorgungslücken

In der Pflege geht es nicht nur um Service, sondern um Versorgung. Karsten Kalinowski räumt zunächst mit einem Vorurteil auf: „Bei uns haben 80 bis 90 Prozent der Minijobber bereits ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis und bessern durch den Minijob ihr Einkommen auf.“

Diese Menschen zahlten über ihren Hauptberuf bereits in die Sozialversicherung ein und arbeiteten zusätzlich, häufig am Wochenende. „Sie gehen die extra Meile, um ihr Nettoeinkommen aufzubessern“, sagt Kalinowski. Würden Steuern und Abgaben steigen, könne der Anreiz verschwinden.

Bei Arte Clean arbeiten Minijobber in Verwaltung, Pflege und Fahrdiensten. Kalinowski nennt sie „die letzte Flexibilitätsreserve, die wir als Wirtschaftsbetriebe haben“. Ohne sie könnten vor allem an Wochenenden Lücken entstehen.

Die Folge wäre gravierend: „Dann müsste man überlegen, ob man die Versorgung auf das medizinisch und pflegerisch Notwendige herunterfährt.“ Der Betrieb könne derzeit alle Kunden am Wochenende versorgen. Ohne Minijobber müsse entschieden werden, wer noch versorgt werden könne.

Geld fließt zurück in den Konsum

Warum nehmen Menschen zusätzlich einen Minijob an? Die Unternehmer glauben nicht, dass es um Vermögensaufbau geht. Häufig werde das Geld für eine kaputte Waschmaschine, den Familienurlaub, die Einschulung oder andere Ausgaben benötigt, die mit dem normalen Einkommen kaum zu stemmen seien.

Für viele sei ein Minijob „ein Stück finanzielle Freiheit“. Das Geld werde fast vollständig ausgegeben und fließe zurück in den Wirtschaftskreislauf. Wer in der Sythener Flora arbeite, könne mit dem Verdienst anschließend Schuhe kaufen oder essen gehen.

„Das Geld, das im Minijob verdient wird, wird verkonsumiert“, lautet die gemeinsame Einschätzung. Bleibe nach Abgaben deutlich weniger übrig, würden zuerst Restaurantbesuche, Einkäufe, Freizeitangebote oder Urlaub gestrichen. Das treffe wiederum jene Betriebe, die zuvor ihre flexiblen Mitarbeiter verloren hätten.

Sorge vor Schwarzarbeit

Die Runde befürchtet außerdem, dass unattraktive Minijobs Schwarzarbeit fördern könnten. „Das reizt zur Schwarzarbeit an“, heißt es. In den vertretenen Betrieben sei dies wegen Kontrollen und Abrechnungssystemen kaum denkbar. Bei privaten Tätigkeiten, etwa Haushaltshilfen, könne die Versuchung jedoch wachsen.

Wer zahlt am Ende?

Jacqueline de Cillia stellt schließlich die entscheidende Frage: Trägt der Betrieb, der Kunde oder der Beschäftigte die Folgen? Die Antwort kommt sofort: „Alle drei.“

Der Betrieb müsse höhere Kosten übernehmen oder auf Personal verzichten. Der Kunde müsse mit höheren Preisen, längeren Wartezeiten oder einem kleineren Angebot rechnen. Der Beschäftigte verliere möglicherweise einen Teil seines zusätzlichen Einkommens oder die Möglichkeit, flexibel dazuzuverdienen.

Soziale Absicherung sei wichtig. Die Unternehmer halten es aber für unrealistisch, jeden Minijob automatisch in eine reguläre Teilzeitstelle umzuwandeln. Manche Arbeit falle nur für wenige Stunden an, manche Beschäftigte wollten keine feste Stelle und manche Betriebe könnten zusätzliche Stellen nur über höhere Preise finanzieren.

„Der Gesetzgeber soll uns das machen lassen, was wir am besten können, nämlich Unternehmen führen“, sagt Kalinowski. Der Minijob ermögliche es, Auftragsspitzen und Ausfälle abzufangen und Leistungen anzubieten, die sonst nicht darstellbar wären.

In einem Punkt sind sich Gastronom, Einzelhändlerin und Pflegeunternehmer einig: Eine Reform dürfe nicht nur auf dem Papier funktionieren. Sie müsse auch an einem vollen Sonntag im Restaurant, an einem unberechenbaren Samstag im Schuhgeschäft und in einem lückenhaften Wochenenddienstplan in der Pflege bestehen.

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Dieser Beitrag gehört zur Lokallust Haltern Juli 2026.

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