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„Mutig, ehrgeizig, zielstrebig“ – Physiotherapeut Dustin Schmitz eröffnet Praxis in den Katharinenhöfen

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Seinen Weg hat der Halterner immer vor Augen gehabt und mit Mut, viel Ehrgeiz und unternehmerischen Engagement hat er sich seinen Traum erfüllt. Seit dem 1. September ist seine Praxis für Physiotherapie in den Katharinenhöfen geöffnet.

Dustin Schmitz ist einer von über 1.000 blinden und sehbehinderten Fachkräften bundesweit, die im Bereich Massage und Physiotherapie arbeiten. Wir haben den blinden Physiotherapeuten und Masseur getroffen und uns hat er erzählt, wie es war, im Alter von acht Jahren von jetzt auf gleich nicht mehr sehen zu können und wie sich sein beruflicher Weg gestaltete.

Neue Praxis in den Katharinenhöfen

Der 30 Jahre alte Dustin Schmitz ist stolz auf seine Praxis für Physiotherapie: Anfang des Jahres hat sich ihm die Gelegenheit geboten, Räumlichkeiten im Erstbezug in den neu erbauten Katharinenhöfen anzumieten und den Plan der eigenen Praxis in die Tat umzusetzen. Dustin Schmitz hat die Praxis mit Hilfe seiner Familie gestaltet und eingerichtet: helle und barrierefreie Räume, moderne Ausstattung, harmonische Farbgestaltung – eine Wohlfühlatmosphäre für Patienten.

Dustin Schmitz sieht mit seinen Händen

Apropos Patient: Ist es wahr, dass blinde Physiotherapeuten über einen besonderen Tastsinn verfügen? Dustin Schmitz: „Mein Tastsinn ist nicht besser, sondern anders. Ich konzentriere mich sehr intensiv auf den Patienten, ich kann Muskeln und andere Strukturen im Körper gut spüren und achte auf körperliche Reaktionen. Selbst kleine Zuckungen entgehen mir kaum.“

Una gehört zum Team

In seiner Praxis wird Dustin Schmitz von Simone Hümmer und Diana Trute unterstützt, die im Praxismanagement arbeiten und Termine koordinieren und für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Ergänzt wird das Team durch die ausgebildete Blindenführhündin „Una“, die seit über sieben Jahren an der Seite von Dustin ist und ihn im Alltag überall hinbegleitet. Allerdings ist die freundliche Una bei den Behandlungen in der Praxis nicht dabei und hat ihren Ruheplatz in Schmitz Büro.

Dustin Schmitz und Blindenführhündin Una
Dustin Schmitz mit seiner Blindenführhündin Una in der Praxis. Foto: Frank Schürmann

Als Kind erblindet

Seine Blindheit kam über Nacht: „Im Kindesalter fiel erstmals auf, dass ich kleine Dinge nicht erkennen konnte und gegen Hindernisse lief. Untersuchungen brachten schließlich die Diagnose Stäbchen-Zapfen Dystrophie“, erzählt der Jungunternehmer. Woher die seltene Augenerkrankung bei ihm kommt, weiß man nicht. Kurzum: mit acht Jahren war Dustin Schmitz vollständig erblindet. Es ist ein Alter, in dem für andere Kinder, die Welt immer größer wird – für Dustin ein Einschnitt in sein Leben.

„Natürlich war die erste Zeit schwierig für mich, aber meine Familie hatte großen Anteil daran, dass ich mit der Situation zurechtkam – und bis heute unterstützen mich meine Eltern und meine Schwester bei allen, was ich tue!“

Anfangs besuchte Dustin die reguläre Grundschule in Haltern am See, Schließlich wechselte er auf eine Schule für blinde und sehbehinderte Schüler in Gelsenkirchen. Dort lernte er unter anderem die Brailleschrift. Rund ein halbes Jahr, erinnert er sich, habe er gebraucht, bis er die Punktschrift beherrschte. Später machte er dort seinen Realschulabschluss.

Vom Schwimmsport zum Traumberuf

Als junger Mensch blickt man in die Zukunft und wie bei allen anderen beschäftigte auch ihn die Frage, welche beruflichen Möglichkeiten ihm als blinden Menschen offenstand. Eines wusste der heutige Physiotherapeut früh: „Ich will mit Menschen arbeiten.“

Der Impuls kam durch seinen Schwimmsport: Dustin Schmitz absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister beim Berufsförderungswerk in Mainz für Gesundheit und Soziales, er bildete sich weiter, machte etliche Praktika, erwarb Zusatzqualifikationen wie z.B. Manuelle Lymphdrainage. Er sagt: „Mir war klar, dass ich einen Schritt weiter gehen wollte. Mein Anliegen war, Menschen bei körperlichen Problemen zu helfen – so war mein Plan, beruflich in den medizinisch-therapeutischen zu gehen.“

Inklusive Ausbildung

Dustin Schmitz absolvierte seine Ausbildung zum Physiotherapeuten beim Berufsförderungswerk in Mainz – rund 300 Kilometer vom Heimatort entfernt. Das BFW Mainz bietet u.a. spezielle Ausbildungen im Bereich Physiotherapie an, die gezielt auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen abgestimmt sind.

Es findet inklusiver Unterricht statt, gelernt wird in kleinen Klassen auch mit nicht sehbeeinträchtigten Teilnehmern. Weil ihm seine vorherige Ausbildung anerkannt wurde, dauerte seine Ausbildung für ihn noch eineinhalb Jahre.

Wie muss man sich die Ausbildung vorstellen? Dustin Schmitz erklärt: „Das Unterrichtsmaterial erhielt ich digital. Anatomie wurde mit Modellen vermittelt, praktische Techniken trainierten wir untereinander.“ Immer an Dustins Seite – Blindenführhündin Una, die in einer Führhundschule in Bayern ausgebildet wurde.

Traum von der eigenen Praxis

Nach bestandener Ausbildung arbeitete Dustin Schmitz zunächst in einer Physiotherapiepraxis. Doch von Tag zu Tag wurde sein lang gehegter Wunsch größer, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Anfang des Jahres war es so weit „er machte Nägel mit Köpfen“ und Schmitz vereinbarte einen Besichtigungstermin in den Katharinenhöfen – und die Entscheidung fiel.

Es folgten Businessplan, Finanzierung und die konkrete Einrichtung der Praxis – dabei hatte der 30-jährige klare Vorstellungen: Moderne, helle und barrierefreie Räume.

Elektrisch verstellbare Behandlungsliegen ermöglichen Therapien im Sitzen und Liegen. Für Krankengymnastik am Gerät stehen unter anderem Seilzug- sowie Trainingsmöglichkeiten für Bauch, Rücken, Arme und Beine zur Verfügung.

Auch organisatorisch setzt Schmitz auf moderne Technik. Dokumentation und zahlreiche Abläufe werden digital abgewickelt. Die Physiotherapiepraxis bietet neben Krankengymnastik, Massage, Lymphdrainage, Fußreflexzonenmassage und Hydrotherapie mit Wärme und Kälte an. Schmitz erklärt: „Ich bilde mich stets weiter und es werden weitere Angebote dazukommen, z.B. Atemtherapie und Kiefergelenkbehandlungen (CMD).“

„Das Leben ist eine Reise“

Vom achtjährigen Jungen, der lernen musste, sich plötzlich ohne Augenlicht zurechtzufinden, hin zum selbstständigen Physiotherapeuten. Dustin Schmitz hat seinen Traum von der eigenen Praxis verwirklicht. Sympathisch und gut gelaunt erzählt er: „Ich kann mir keinen besseren Beruf vorstellen; ich habe jeden Tag mit Menschen zu tun, helfe ihnen wieder in ihre körperliche Funktion zu kommen. Wenn ich abends aus der Praxis gehe und die Patienten glücklich sind, bin ich es auch.“

Ein schönes Abschlussstatement! Wir vom Team der Lokallust wünschen Dustin Schmitz von Herzen alles Gute.

Text: Silvia Bruderek
Fotos: Frank Schürmann

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