Hier bleibt man gern noch ein bisschen sitzen.
Es gibt Gastgeber, bei denen fühlt man sich schon nach wenigen Minuten, als wäre man nicht zum ersten Mal da. Xhekson (Jackson) Ceka und seine Familie sind solche Menschen. Wie freundlich und aufmerksam ich bei meinem Besuch empfangen werde, bleibt hängen. Diese Herzlichkeit kann man schwer auf eine Speisekarte schreiben. Man muss sie erleben. Dabei bin ich eigentlich auf einen Kaffee verabredet.
Ich möchte den Mann kennenlernen, der mit seiner Familie die ehemalige Peters Bauernstube in Haltern am See unter dem Namen „Butrinti bei Ceka“ weiterführt. Die Räume wurden umfangreich renoviert. Nun bringt der 32 Jahre alte Gastronom seine Ideen und eine Küche mit griechischen und italienischen Einflüssen mit. Vor allem aber bringt er Freude daran mit, Menschen zu bewirten. „Ich mag die Arbeit mit Menschen“, sagt Xhekson. Das merkt man ihm an.
Er sucht das Gespräch, hört zu und erzählt offen von seinem Weg. Vom Ankommen in Deutschland, von seiner Familie und davon, was er sich in Haltern aufbauen möchte.
Von Tirana über Brandenburg nach Haltern
Im Oktober 2019 kam Xhekson aus Tirana nach Deutschland. Zunächst ging es nach Brandenburg. In einem großen griechischen Restaurant arbeitete er sich in die Gastronomie ein. 2022 folgte der Umzug nach Dessau Roßlau und die Arbeit in der italienischen Küche. Im Februar 2024 eröffnete er sein erstes eigenes Restaurant. Doch dabei sollte es nicht bleiben. „Ich wollte etwas Größeres“, erzählt er. Außerdem wollte er den Westen Deutschlands kennenlernen und dort sein Konzept umsetzen. So kam er nach Haltern.
Heute wohnt er in Lavesum, und sein Urteil über die Menschen hier fällt erfreulich knapp aus: „Die Leute sind nett.“ Das kann ich nach meinem Besuch direkt zurückgeben.
Deutsch hat sich Xhekson selbst beigebracht. Im Alltag, bei der Arbeit, im Gespräch. Eine neue Sprache lernen und sich gleichzeitig beruflich etwas aufbauen, das verlangt Ausdauer. Sein Motto passt dazu: „Immer alles geben und nicht aufgeben.“
Die Familie packt mit an
Zu seinem Team gehören Cousins und Bekannte. Menschen, mit denen ihn mehr verbindet als ein gemeinsamer Dienstplan. „Für mich ist Familie immer wichtig“, sagt Xhekson. Auch deshalb arbeitet er gern mit ihr zusammen.
Bei meinem Besuch erlebe ich, wie herzlich diese Familie mit ihren Gästen umgeht. Ich fühle mich willkommen und bleibe gern noch ein bisschen länger sitzen. Gastfreundschaft auf allerhöchstem Niveau, und zwar ganz ohne großes Aufheben darum.
Was ihm nicht schmeckt, kommt nicht auf die Karte
Griechische und italienische Küche sind für Xhekson seit seiner Kindheit vertraut. „Wir sind mit beiden Küchen aufgewachsen“, erzählt er. Später lernte er sie auch beruflich kennen. Diese Erfahrungen bringt er heute in sein Restaurant „Butrinti bei Ceka“ ein. Auch der Name des Restaurants hat eine besondere Bedeutung. Butrint ist eine jahrtausendealte antike Stadt im Süden Albaniens und gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Da Albanien geografisch zwischen Italien und Griechenland liegt, hat Xhekson diesen Namen bewusst gewählt. Er soll symbolisch die griechische und italienische Küche miteinander verbinden. Was ihm beim Essen wichtig ist? „Wir versuchen immer, das Beste zu bringen. Bei der Qualität und beim Geschmack.“ Dafür hat er eine einfache Regel: Was ihn selbst nicht überzeugt, bietet er seinen Gästen nicht an.
Dieser Anspruch zieht sich durch seine Arbeit. Wenn etwas nicht funktioniert, will er es ändern. „Entweder finde ich eine Lösung oder ich mache es nicht“, sagt er. Er weiß, was er möchte, und ist bereit, dafür anzupacken. Genauso wichtig wie das Essen ist ihm der Kontakt zu seinen Gästen. Schon früher hat er gern im Service gearbeitet. „Mir gefällt es nicht, versteckt zu sein“, erklärt er.
Er möchte unter Menschen sein, sich austauschen und mitbekommen, was an den Tischen passiert. Wer ihn erlebt, kann sich einen Arbeitsplatz ohne diesen Kontakt ohnehin nur schwer vorstellen.
Real Madrid hat einen festen Platz
Und wenn das Restaurant einmal nicht im Mittelpunkt steht? Dann mag Xhekson Fitness und Fußball. Bei der Frage nach seinem Lieblingsverein gibt es kein Zögern: Real Madrid. Ein Mann mit hohen Ansprüchen, auch außerhalb der Küche.Schwieriger wird es bei meiner Frage nach dem Lied seines Lebens. Da möchte er sich nicht festlegen. „Mir gefällt alles, was gut ist“, sagt er. Lebendig und fröhlich darf die Musik sein. Ein einzelner Titel muss dafür nicht herhalten.
Nach dem gemeinsamen Kaffee nehme ich vor allem die Erinnerung an einen ausgesprochen herzlichen Empfang mit. Xhekson und seine Familie haben mir gezeigt, wie schön es ist, wenn Gastgeber Freude an ihren Gästen haben. Ich wollte einen neuen Gastronomen kennenlernen. Beim Abschied freue ich mich schon auf das Wiedersehen.
Text/Foto: Jacqueline de Cillia

