Die Stadt Haltern am See plant, die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Erich-Kästner-Schule bis zum 31. Oktober 2026 zu schließen. Auf dem Gelände ist nach Angaben der Stadt eine neue Dreifachsporthalle für den Schul- und Vereinssport vorgesehen. Das ehemalige Schulgebäude dient seit mehreren Jahren als Flüchtlingsunterkunft; bereits der städtische Haushaltsplan 2018 dokumentiert diese Nutzung.
Den vorgesehenen Schließungstermin nennt die Verwaltung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der AfD-Ratsfraktion zur Flüchtlingsunterbringung. Demnach lebten zum Stand der Antwort noch 26 Menschen in der Erich-Kästner-Schule. Die Zahl der kommunal untergebrachten Geflüchteten sank nach den vorgelegten Zahlen von 696 im Jahr 2024 auf 429 im September 2026. Die Unterkunft an der Annabergstraße schloss die Stadt nach eigenen Angaben bereits im Mai.
Dreifachsporthalle auf dem Gelände geplant
Über die Sporthallenplanung informierte die Stadt in einer Mitteilung vom 16. September 2026 zur Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur. Der Neubau soll insbesondere dem benachbarten Hans-Böckler-Berufskolleg dienen. Außerhalb der schulischen Nutzung sind zusätzliche Hallenzeiten für Sportvereine vorgesehen. Als Grundlage nennt die Stadt einen Kreistagsbeschluss vom 15. Juni 2026.
Drei Unterkünfte werden weiterhin benötigt
Die Standorte am Lorenkamp, an der Wasserwerkstraße und am Hellweg benötigt die Stadt laut Verwaltungsantwort weiterhin. Durch Umzüge aus der Annabergstraße und der Erich-Kästner-Schule sind die Kapazitäten am Lorenkamp und an der Wasserwerkstraße nach Angaben der Verwaltung nahezu ausgeschöpft. Am Hellweg standen zum damaligen Stand noch bis zu etwa 20 freie Plätze zur Verfügung.
Für die vier Standorte nennt die Verwaltung folgende Belegung im September:
- Lorenkamp: 103 Personen
- Wasserwerkstraße: 68 Personen
- Hellweg: 46 Personen
- Erich-Kästner-Schule: 26 Personen
Weitere 41 Geflüchtete lebten demnach in stadteigenen Wohnungen. Damit waren 284 Menschen in städtischen Unterkünften und Wohnungen untergebracht. Für 2024 nennt die Verwaltung 458 Personen, für 2025 noch 424.
Die Stadt will die weitere Entwicklung beobachten und auf Veränderungen reagieren.
Stadt hat weniger Wohnungen angemietet
Auch die Zahl der zusätzlich angemieteten Wohnungen hat die Stadt nach eigenen Angaben reduziert. Von ehemals 64 waren zum Stand der Antwort noch 31 Wohnungen angemietet. Darin lebten 117 Geflüchtete. Für 2024 nennt die Verwaltung 210 Personen, für 2025 noch 151.
Hinzu kommen laut Vorlage drei Familien mit zusammen 28 Personen in drei Einfamilienhäusern, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bereitgestellt hat. Diese Belegung ist seit 2024 unverändert.
Aus den drei Unterbringungsformen ergibt sich für September 2026 eine Gesamtzahl von 429 Menschen. Für 2024 ergeben die Angaben 696 Personen, für 2025 sind es 603. Die Bewohner der Landesunterkunft am Lippspieker sind darin nicht mitgezählt.
Viele Geflüchtete haben nach Angaben der Verwaltung inzwischen selbst eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt gefunden, häufig mit ehrenamtlicher Unterstützung. Andere sind nach Aufhebung ihrer Wohnsitzauflage in andere Städte gezogen oder haben Deutschland verlassen. Dazu liegen dem Sozialamt nach eigener Auskunft keine Zahlen vor.
Umzüge und Räumungen beschäftigen die Mitarbeiter
Trotz der gesunkenen Unterbringungszahlen fällt weiterhin Arbeit an, erklärt die Verwaltung. Beschäftigte unterstützen Geflüchtete beim Umzug in private Mietwohnungen. Außerdem räumen sie frei gewordene Zimmer und Wohnungen.
Zugleich bauen die Mitarbeiter nach Angaben der Stadt Überstunden ab. In der Vergangenheit konnten sie die Aufgaben in der Unterbringung und Leistungsgewährung laut Verwaltungsantwort nur durch erhebliche Mehrarbeit bewältigen.
Für Unterbringung und Betreuung nennt die Stadt für 2026 einen Personalumfang von vier Vollzeitäquivalenten gegenüber 4,5 im Jahr 2024. Bei der Leistungsgewährung sank der Umfang im selben Zeitraum von einem auf 0,75 Vollzeitäquivalente. Bei weiter sinkenden Unterbringungszahlen und Leistungsfällen rechnet die Verwaltung mit zusätzlichen personellen Einsparungen.
Einsparungen bei Energie, Reinigung und Sicherheit
Durch die Aufgabe von Unterkünften spart die Stadt nach eigenen Angaben insbesondere bei Energie, Wasser und Reinigung. An der Erich-Kästner-Schule erwartet die Verwaltung außerdem Einsparungen beim Einsatz des Sicherheitsdienstes.
Konkrete jährliche Einsparsummen nennt die Antwort nicht. Für eine detaillierte Kostenaufstellung verweist die Verwaltung auf die jeweiligen Haushaltspläne.
Bei Betreuung und Integration arbeitet die Stadt mit dem Caritasverband Ostvest zusammen. Für die Jahre 2025 bis 2027 sieht die Leistungsvereinbarung laut Verwaltungsantwort eine jährliche Förderung von 150.000 Euro vor.
Landesunterkunft am Lippspieker gesondert erfasst
Für die Zentrale Unterbringungseinrichtung am Lippspieker nennt die Bezirksregierung Münster zum Stichtag 18. September eine Belegung von 99 Menschen. Die bis dahin höchste Belegung erreichte die Einrichtung nach ihren Angaben im Mai 2026 mit 150 Personen. Das entspricht 37,5 Prozent der Kapazität.

Seit der Inbetriebnahme gab es laut Bezirksregierung innerhalb der Einrichtung 21 Polizeieinsätze. Dazu zählen auch Gefährderansprachen und Fehlalarme der Brandmeldeanlage. Die Behörde weist darauf hin, dass ein Einsatz nicht automatisch mit einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit verbunden ist.
Außerhalb der Einrichtung verzeichnete die Bezirksregierung nach eigener Auskunft bis zum Zeitpunkt der Antwort keine polizeilich relevanten Vorkommnisse im Zusammenhang mit dort untergebrachten Personen.



